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OTTONISCHES KREUZ
Text (Auszug): Dr. Norbert Jocher, Ordinariatsrat, Kunstreferent
Bildvorlagen: Geraldine Raithel
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Zur Geschichte
Das Schaftlacher Kreuz galt bis zum Jahr 2000 als ein bedeutendes Kreuz der Romanik in Bayern, es wurde allgemein in die Zeit um 1200 datiert, wie einige andere Kreuze in Bayern auch. Ältere Datierungsversuche blieben ohne wesentliche Auswirkung auf die kunstwissenschaftliche Literatur. Allgemein wurde die Herkunft des Kreuzes aus Kloster Tegernsee vermutet, dem Schaftlach bis zur Säkularisation 1803 inkorporiert war.
Restaurierungsgeschichte
Im Zuge einer umfassenden Gesamtsanierung der Kuratiekirche Hl. Kreuz Schaftlach, die 2002 mit der Segnung eines neuen Ambos und der Weihe eines neuen Altares abgeschlossen wurde, kam auch das an der Nordwand des Langhauses angebrachte Schaftlacher Kreuz in eine Restaurierungswerkstätte. Die vorgefundene Fassung stand dabei von Anfang an zur Disposition, da sie in ihrer bewusst auf Antiquität getrimmten "Schmutzpatinierung" die hohe Bedeutung des Bildwerkes augenfällig enorm minderte. Durch ein umfassendes Untersuchungsprogramm von klassischen Befundöffnungen, Querschliffen bis zur breiten Palette naturwissenschaftlicher Untersuchen (Pigmentanalysen, Röntgen, C14-Holzaltersbestimmung, Computertomographie, etc.) erhoffte man sich nicht nur genaue Erkenntnisse über den Fassungsablauf an der Skulptur - wichtig für das Restaurierungskonzept -, sondern auch über die Entstehungszeit des Kreuzes. Erste Ergebnisse dieser Untersuchungen ließen aufhorchen, waren sensationell: das Alter des Holzes (Linde) wurde mittels C14-Analyse mit höchster Wahrscheinlichkeit auf 970/990 bestimmt, wodurch die Entstehungszeit des Schaftlacher Kreuzes ganz in die Nähe des bislang ältesten monumentalen Kreuzes, des Gerokreuzes im Köhlner Dom gerückt war. Gegenproben sowie weitere vertiefende Untersuchungen bestätigten die Datierung in die ottonische Zeit um 1000/1020.
Auch die Ergebnisse der Fassungsuntersuchungen waren äußerst überraschend: Laut Aussage von Fachrestauratoren ist am Schaftlacher Kreuz die originale Fassung der Entstehungszeit so gut und umfangreich nachgewiesen, wie an keinem vergleichbaren mittelalterlichen Kreuz, wenn auch nur insgesamt zu ca. 9%, so dass anfänglich sogar unter allen Beteiligten eine Freilegung auf die originalen Fassungsreste erwogen wurde, ein später wieder aus vielen Gründen verworfenes Bearbeitungskonzept. Ende 2003 waren die Untersuchungen so weit fortgeschritten, dass eine Entscheidung zum Bearbeitungskonzept des Kreuzes fallen musste, die zwischen den Polen "Neufassung nach Befund" und "Konservierung der Sichtfassung" liegen musste.
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